Archiv für Datenschutz

Studie zu Privacy in USA und Canada

Ein Vergleich US-amerikanischen Datenrechtes mit dem kanadischen: Priscilla M. Regan, Colin Bennett & Robin Bayley: If These Canadians Lived in the United States, How Would They Protect Their Privacy? The Functional Equivalence of Privacy Redress Mechanisms in Canada and the US

Die Autoren garantieren für eine gute Analyse. Interessant ist bei dem Artikel ein Seitenaspekt, nämlich, dass das Social Science Research Network (SSRN) jüngst von Elsevier gekauft wurde. Also eine open access Plattform von einem der großen Publikationsheuschrecken in der Wissenschaft, die vielfach kritisiert wird, aber deren Geschäftsmodell wir alle mit dem Wunsch nach Publikationen und dem Bibliometrie-Unsinn mitmachen. Dazu gibt es zahlreiche kritische Kommentare, hier einer: SSRN has been captured by the enemy of open knowledge.

What is Privacy?

Ein nettes kleines Video von Privacy International.

Kann ich mal in ihr Telefon schauen?

Netter kleiner Film einer Guerilla-Attacke auf die persönlichen Daten der Mitbürger – die nur dann beunruhigt sind, wenn sie den Übergriff persönlich merken, obwohl der Staat (hier: UK) und Unternehmen ständig nichts anderes machen. Hier könnten sich interessante Fragen nach Anonymität, Privatsphäre und ihrer Wahrnehmung und Konstitution anschließen. (Die Fragerin ist herrlich in ihrer gespielten naien Dreistigkeit!!)

Meine Daten gehören niemand

Auf irights.info ist ein – wie immer  sehr lesenwerter – Beitrag von Christiane Schulzki-Haddouti erschienen zum so genannten “Dateineigentum”: Wem gehören “meine Daten”?

Das Argument: Während der (vor allem von den Grünen, Malte Spitz, Renate Künast) ins Spiel gebracht Slogan “Meine Daten gehören mir” als politischer Slogan durchaus imstande ist, kritische Massen zu mobilisieren und seine Berechtigung hat, wird diese Redeweise mittlerweile von der (Auto-)Industrie und anderen Akteuren zunehmend auf das Schlagwort vom “Dateneigentum” verkürzt. Das wiederum steht dem Datenschutz direkt entgegen.

Ich kann das Argument des Beitrags nur unterstützen. Vor allem sollte zwischen “Daten”, “Informationen”, “Kommunikationen” besser unterschieden werden, auch und gerade in den Diskussionen und Reden der “Datenschützer”, die sich eigentlich besser “Kommunikationsschützer” nennen sollten.

Nachtrag: Studie zu Überwachung

Bei Telepolis hat Florian Rötzer einen sehr differenzierten Bericht zur Studie von Elizabeth Stoycheff veröffentlicht. Die Aussagekraft der Studie ist begrenzt, auch wenn wir es gern anders hätten. Allein die Frage, warum die Überwachung zu einer Zensur bei Journalisten oder Schriftstellern führen soll, die eh öffentenlich publizieren, wie es der PEN mutmaßte, kann damit z.B. nicht beantwortet werden. Da wären Repressionen, wie in der Türkei oder anderswo geeigneter – und sind es ja auch.

Report: State of Surveillance

© Privacy InternationalPrivacy International hat  die Ergebnisse seiner globalen Studie zu Überwachung und Privacy veröffentlicht. Ja, das liest sich oft schwierig und langatmig, wie solche Reports halt so sind, aber die Infos sind wichtig, für Forscher und für Aktivisten, aber wohl auch für Journalisten. Die zu Anfang veröffentlichten Briefings sind keine Überraschung, aber schon mal ein Hinweis, was noch zu erwarten ist.

The State of Surveillance is a Privacy International-led baseline study of privacy and surveillance issues globally. It was launched in March 2016 with 13 country briefings, which are updated twice annually.

Datenschutz aus politikwiss. Perspektive

Vom Forum Privatheit ist ein Arbeitspapier herausgegeben worden mit dem Titel: “Akteure, Interessenlagen und Regulierungspraxis im Datenschutz – Eine politikwissenschaftliche Perspektive”, zum Download

Das von Philip Schütz und Murat Karaboga (beide Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI) verfasste Arbeitspapier zielt darauf ab, einen ersten Überblick zum Thema Datenschutz aus politikwissenschaftlicher Perspektive zu geben.

Fimtipp: Democracy – Im Rausch der Daten

Ab 12. November im Kino:

Democracy – Im Rausch der Daten. Ein Dokumentarfilm von David Bernet.

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Interview mit Jacob Appelbaum

Von der Konferenz des Netzwerk Recherche gibt es dieses Interview mit dem Autoren, Hacker und Journalisten Jacob Appelbaum: „There is no safety if you want to do good work“.

Es geht um Datenschutz und die Massenüberwachung der Bürger….

In the Facebook Aquarium

The Resistible Rise of Anarcho-Capitalism, Ippolita

As users of social media we have willingly submitted to a vast social, economic and cultural experiment. By critically examining the theories of Californian right-libertarians, Ippolita show the thread connecting Facebook to the European Pirate Parties, WikiLeaks and beyond.

Kampagne für neues Datengesetz

Der Gründer von protonet ruft zu einer Kampagne für eine neues EU-Gesetz auf: EU: Geben Sie uns die Datenhoheit! #freeyourdata.

Ali Jelveh ist unzufrieden, wie in Europa mit Daten umgegangen wird und welche Rechte wir tatsächlich haben – u.a. über die so genannten subject access request, die allerdings in Deutschland besser verlaufen als er es schildert:

Bislang regeln das Recht auf informationelle Selbstbestimmung und das Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) den Zugang zu meinen Daten, die bei den Unternehmen gehalten werden. Theoretisch habe ich damit einen Rechtsanspruch auf Datenauskunft. In der Praxis bedeutet das allerdings: die Anfrage muss schriftlich ergehen und wird in der Regel erst nach mehreren Rückfragen oder gar anwaltlichen Schreiben nach Wochen oder Monaten in Papierform beantwortet.

Hierzu kann man sich die Ergebnisse der Forschung bei IRiSS anschauen (runterscrollen bis zu WP5).

Seht und entscheidet also selbst, wie ihr die Kampagne findet.

Massenüberwachung und die Psyche

Keine Antwort wollen Journlisten und andere lieber herausfinden, als die nach den psychologischen Folgen der Massenüberwachung. Ich finde die Frage nicht so spannend – liegt wohl am Fach. Aber auch daran, dass ich nicht an so einfache Ursache-Wirkungsschemata glaube, wie sie der Frage zugrunde liegen. Verändern wir unser Verhalten wegen der Überwachung – wer weiß das schon, und wenn ja, liegt es allein daran? Hat die Klimaerwärmung zu einer Verhaltensänderung geführt – sofort und nur aufgrund des Wissens? Wie auch immer, amnesty international hat eine Umfrage gemacht und hier sind die Ergebnisse:

The psychology of mass government surveillance: How do the public respond and is it changing our behaviour? (Guardian, 18.3.2015) Zum Schluss gibt es, ungewöhnlich kritisch für solche Darstellungen, Mahnungen zur Vorsicht beim Lesen der Ergebnisse.