Archiv für Big Data

10 Jahre iphone und Überwachung

“Es ist nicht die Technik, vor der wir Angst haben” – ein Gespräch mit Shoshana Zuboff, Autorin von Surveillance Capitalism*.

Interessantes Gespräch zum 10-jährigen Jubiläum des iphones:

Sie warne nicht vor der Technologie als solcher, sagt Zuboff, emeritierte Harvard-Professorin. Ihr gehe es um den Kapitalismus, der dahinter stehe. Sie sei davon überzeugt, dass jede Anwendung, die für Überwachung und Kontrolle genutzt werden könne, auch als solche eingesetzt werde – wenn es keine funktionierenden Kontrollen gebe.

*Big Other: Surveillance Capitalism and the Prospects of an Information 
Civilization in Journal of Information Technology (2015) 30, 75–89.

Big Data und Überwachungs-Rhetorik

Das Projekt “Data sousveillance” beschreibt sich selbst so: An analysis of cultural and congressional surveillance rhetoric over time. Es ist eine Forschung innerhalb der Digital Humaities, die inzwischen viel mit BigData-Analysen und deren Visualisierung arbeiten.

Interessant ist es auf jeden Fall, es lohnt also einen Blick.

Analysis/Findings

Calling on texts from mainstream & alternative news sources as well as the congressional record this project uses data mining & sentiment analysis to sousveil public rhetoric surrounding surveillance in American popular media over the last 40 years.

Internet et vie privée

Für alle die des Französischen mächtig sind, hier ein Tipp: Francesca Musiani: Internet et vie privée en 40 pages.

Au croisement de la sociologie des techniques et du droit, ce livre explore les récentes évolutions de la vie privée à l’ère du numérique, en dévoilant les multiples tensions dont elle fait l’objet, la diversité de ses définitions et périmètres, la recherche constante d’un équilibre entre tutelle juridique et sauvegardes techniques, surveillance et protection, modèles d’affaires et transparence, droits du consommateur et libertés citoyennes.

Report: die unternehmerische Überwachung

noc322Cracked Labs, das Institut für kritische digitale Kultur, hat einen Report veröffentlich, der einen Blick lohnt.

Networks of Control. A Report on Corporate Surveillance, Digital Tracking, Big Data & Privacy by Wolfie Christl and Sarah Spiekermann.

 

RAND-Studie zu Predictive Policing in Chicago

Predictive policing: “funktioniert nicht”? Das ist noch nicht einmal die wichtigste Erkenntnis der RAND-Studie zu der “Strategic Subject List” der Chicagoer Polizei. Sondern, wozu und in welcher Weise das Instrument, entgegen den Ankündigungen, tatsächlich eingesetzt worden ist:

  • “It unnecessarily targets people for police attention”;
  • “CPD was using it as a way to target people for arrest”;
  • “The list essentially served as a way to find suspects after the fact”.

wie THE VERGE die Studie kommentiert: Chicago’s predictive policing tool just failed a major test. Da hilft auch die Rechtfertigung der CPD wenig, dass die Software, die der Evaluation zugrunde lag, mittlerweile auf Version 5 hochgeschraubt worden sei.

Race and Surveillance

Da sich der Begriff race nicht ganz passend mit Rasse übersetzen lässt (zumindest nicht in der Verwendung), bleibe ich beim Englischen. Die Zusammenhänge zu Überwachung sind vielfältig, aber immer noch eher ein Seitenaspekt der surveillance studies.

Oft geht es dabei um die diskriminierende Beobachtung bestimmter ethnischer Bevölkerungsgruppen, insbesondere der afro-amerikanischen in den USA. Dort ist genau dieses Verhältnis auch viel diskutiert, wie eine Konferenz im April 2016 nahelegt: Government Surveillance and Race. (Pressemitteilung zur Konferenz; Videos von der Tagung). Hier geht es vor allem um Themen wie Polizei(gewalt), Strafjustizsystem, Überwachung von Aktivisten usw.

Siehe auch die Besprechung von Simone Brownes Dark Matters

Die Diskussion über die Probleme bei der digitalen Identifizierung bestimmter ethnischer Gruppen, vor allem aufgrund der Hautfarbe sind nicht neu, aber immer wieder ein Thema: Machine Bias. There’s software used across the country to predict future criminals. And it’s biased against blacks.

Zu Künstlicher Intelligenz und den latent diskriminierenden Eigenschaften der Algorithmen berichtet auch der Artikel Artificial Intelligence’s White Guy Problem. (NYT 25.6.2016)

Die Zusammenhänge sind aber nicht nur willkürlich und allein rassistisch, sondern haben ihre Ursprünge in den historischen Strukturen der Gesellschaft, zu denen auch eine räumliche Dimension gehört…..

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cfp: Algorithmen, Kommunikation & Gesellschaft

cfp: Algorithmen, Kommunikation & Gesellschaft.

Für eine Sonderausgabe des interdisziplinär-sozialwissenschaftlichen Online-Journals kommunikation@gesellschaft suchen wir „klassische“ Journal-Beiträge genauso wie Essays, Forschungsnotizen oder andere kritisch-reflektierende Analysen zum Themenkomplex “Algorithmen, Kommunikation, Gesellschaft”.

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“Handys sind das kleineste Problem”

“Some analysts think this is the future—it’s huge, as big as the Internet and World Wide Web,” says David O’Brien, a senior researcher at the Berkman Center for Internet & Society at HLS. “It’s hard to separate the hype from reality, but signs suggest we’re at the early stages of a tectonic shift.”

In dem klugen und auch gestalterisch gelungenem Artikel gibt es ein paar Argumente zum Internet der Dinge, einer Welt in der der Satz “Cellphones may be the least of your privacy concerns” ein Hinweis auf Kommendes sein könnte.

The New Age of Surveillance, by Elaine Mcardle, May 10, 2016, Havard Law Bulletin

The New Age of Surveillance

Journal: Big data: big power shifts?

In der Internet Policy Review, 5(1) ist gerade ein Themenheft zu “Big data: big power shifts?”  veröffentlicht worden. Herausgeber sind in diesem Fall Lena Ulbricht, Berlin Social Science Center (WZB) und Maximilian von Grafenstein, Humboldt Institute for Internet and Society (HIIG).

Die Unterstützung erfolgte durch das Vodafone Institute for Society and Communications. Das klingt zunächst einmal ungewöhnlich für ein wissenschaftliches Journal, muss aber nicht unbedingt etwas Schlechtes sein, zumal ich das Institute auch nicht kenne.

In diesem Zusammenhang sei auch noch auf folgendes Journal verwiesen, über das ich neulich gestolpert bin und das bei transcript erscheint: Digital Culture & Society. Vol. 2, Issue 1/2016 behandelt z.B. das Thema Quantified Selves and Statistical Bodies. Die Einleitung ist als pdf zugänglich.

auch Google versteht Ironie…

Die Überwachung der Konsumenten

Ich finde die Artikel von Sami Coll immer eine Bereicherung für die Diskussion. Sein Ausgangspunkt sind Kundenkartensysteme, aber er nutzt seine Forschung weit darüber hinaus um in theoretische Überlegungen zu Überwachung einzusteigen. Aktuell gibt es eine historische Perspektive.

Sami Coll (2016) Discipline and Reward: The Surveillance of Consumers through Loyalty Cards, Geschichte und Gesellschaft 42(1)

This article focuses on the most predominant modality of contemporary  surveillance—the surveillance of consumers, which tends to be hidden behind state surveillance. It presents empirical research done on the four major retail stores in Switzerland and their loyalty systems.

Algorithmen und Herrschaft

Heute gab es ein Politisches Feuilleton zur smarten Welt bei dradio Kultur (Wider die Herrschaft der Algorithmen) von mir. Sehr passend zu den Themen unseres Preisträger Adrian Lobe, der mit dem Artikel Der Mensch, das programmierbare Wesen (FAZ.net 20.1.2016) ähnliche Dinge viel ausführlicher analysiert.