Postmoderne Perspektiven: Hamburger Symposium zu den Kontrollgesellschaften

Vom 3. bis zum 8. November findet an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg das internationale Symposium “Virtualität und Kontrolle” statt (direkter Link zur Veranstaltung). Mit akademischen Vorträgen und szenischen Lesungen im Nachasyl des Hamburger Thalia Theaters will das Symposium den Fragen nachgehen, wie sich sich Fluchtlinien, Techniken und Stratageme denken lassen, die den Techniken der Kontrolle und Selbstkontrolle entgehen – politisch, ökonomisch, kulturell und künstlerisch?

2 Comments 8. October 2008 - 10:55

Forschung zu Sicherheit in Europa

Sicherheitsforschung und Surveillance Studies gehen bislang ein wenig aneinander vorbei. Es ist daher von Interesse auch einmal auf die Forschungsprojekte zu schauen, die sich vor allem auf das  Thema Sicherheit konzentrieren. Die Überschneidungspunkte sind da und gar nicht ungewöhnlich. Ein großes Forschungsprojekt, finanziert mit Mitteln des 6. Rahmenprogramms der EU ist das  Challenge Liberty & Security-Projekt, welches auf ein Konsortium von über 50 Forschern aus ganz Europa gestützt ist. Ein Blick auf die Webseite lohnt sich. Dort gibt es reichlich Aufsätze, Dossiers und anderes Material, welches die Diskussion beflügeln könnte.

Adding comment 6. October 2008 - 21:06

Blick über den Tellerrand

Es ist immer gut einen Blick über den Tellerrand zu werfen. Das EDRI-gram bietet auf europäischer Ebene einen Überblick, was in Sachen Datenschutz und Überwachung so bei unseren Nachbarn los ist. Das gibt es auch einen Bericht zur erfolgreichen Abwehr einer Datensammelmaßnahme der franzöischen Regierung (bei unwatched.org auch auf Deutsch).

Und wo ich gerade bei unseren Nachbarn bin. Hier ein Bericht zu Kameras in Schweizer Fußball- und Eishockeystadien. Einige der Maßnahmen lesen sich wie eine Anleitung zum verordneten Jubeln - wenn es nicht so grotesk wäre, könnte man sogar darüber lachen. Wahrscheinlich sollte man es einfach und hoffen, dass Proteste weiterhin etwas bewirken, so wie ein mögliches Referendum gegen die Einführung von biometrischen Pässen in der Schweiz.

Im Hinblick auf die Fussball-Europameisterschaft 2008 und die Eishockey-Weltmeisterschaft 2009 in der Schweiz verabschiedet der Bund das sogenannte Hooligangesetz, mit dem mutmassliche Hooligans präventiv verhaftet und ihre Daten in einer zentralen Datenbank gespeichert werden können. 2006 verlangt der Schweizer Fussballverband für Gästefans einen obligatorischen Fanpass (mit Foto und Personalien) - nach Protesten und Boykottaktionen muss der Verband das Projekt zurückziehen. 2007 will die Sicherheitskommission der Swiss Football League (SFL) ein Bewilligungsformular einführen, mit dem Choreografien in Stadien vorgängig angemeldet werden müssen - das Vorhaben erweist sich als Rohrkrepierer. Im Frühjahr 2008, kurz vor der EM, brüllen dieselben Leute, die schon lautstark die Hooligandatenbank gefordert haben: «Schnellgerichte!» Nur so könnten Ausschreitungen künftig verhindert werden.

Adding comment 6. October 2008 - 20:45

Vertrauen notwendig für freiheitliche Gesellschaft

Klar ist, eine freiheitliche Ordnung beruht auch auf Vertrauen, und diejenigen, die herausgehobene Verantwortung haben, müssen besonders sorgfältig damit umgehen.

Ein kluger Satz. So gesagt von Innenminister Wolfgang Schäuble in der Welt (2.10.2008). Und weiter:

Sicherheit ist für die Lebensqualität der Menschen ein hohes Gut und ein Standortfaktor von großer Bedeutung. Es ist nicht Ziel beim Einsatz technischer Überwachungsmöglichkeiten wie beispielsweise im öffentlichen Raum, Freiheitsrechte einzuschränken, stattdessen soll die Sicherheit für die Gesellschaft, für die Bürger, die Wirtschaft, Anlagen und Versorgungseinrichtungen erhöht werden.

Das klingt ja alles ganz toll. Der Minister übersieht nur, dass Vertrauen auch das Vertrauen in die Bürger miteinschließen müsste. Die immer weiter vorrausschauende Kontrolle und damit auch Überwachung der Bürger lässt eher das Gegenteil vermuten. Und der jüngst bekanntgewordene Fall der Millionen entwendeter Kundendaten bei der Telekom, ist nicht dazu angetan, Vertrauen in die Systeme zu haben, in denen solche Daten gesammelt werden. Das gilt für alle Systeme und Daten. Vertrauen hieße auch, Vertrauen in die Bürger zu haben und vielleicht einmal nicht Sicherheit und Freiheit, sondern Risiko und Freiheit miteinander ins Verhältnis zu setzen. Denn die Sicherheitshysterie suggeriert auch immer, dass absolute Sicherheit durch technische Systeme möglich ist - und das ist nicht der Fall.

Adding comment 6. October 2008 - 10:01

Projekt zu Konsum und Kundenkarten

Es besteht zwar schon 5 Monate, aber nun hat es auch eine kleine, einfache Webseite - das DFG-Forschungsprojekt Konsum(kontroll)technologien am Institut für Volkskunde/Kulturanthropologie, an der Uni Hamburg. Wir befinden uns gerade in der Interviewphase, daher gibt es noch nicht allzu viele Infos, Aufsätze etc - aber es wird wachsen. Es geht ja auch noch bis 2010…

Adding comment 30. September 2008 - 08:06

Privatsphäre in Social Networks

Eine interessante Studie des Fraunhofer-Instituts für Sichere Informationstechnologie ist erschienen: Privatsphärenschutz in Soziale-Netzwerke-Plattformen. Das Fazit aus der Sicht der Userinnen und User: ernüchternd. Ein Beispiel: Teilweise waren Daten wohl auch dann von außen einsehbar, obwohl dies so nicht von den Plattformbetreibern vorgesehen war. Der Ratgeber führt zahlreiche passende, aber auch manchmal nicht mehr ganz so neue Tipps auf. Trotzdem ist die Studie auf jeden Fall einen Download wert.

1 Comment 28. September 2008 - 21:02

Hamburg, Kameras und Lokalpolitik

Im Hamburger Bezirk Harburg gibt es eine amüsante Debatte zur Videoüberwachung an einer der S-Bahn-Haltestellen. Es zeigt sich, dass auch die Grünen, entgegen aller Bekundungen der letzen Jahre, doch im Einzelfall für eine Videoüberwachung sein können. Die Diskussion in der Bezirksversammlung zeigt vor allem, dass Videoüberwachung nach wie vor als ein Allheilmittel gesehen wird und immer dann, wenn es geht auch eingefordert wird. Von den Ergebnissen vieler Studien zu dem Thema völlig unbeirrt, kommt das Thema ruckzuck auf die Tagesordnung - und wenn es nur darum geht, dem Ansinnen einiger Bürger möglichst schnell zu entsprechen.

Auch wenn die Forschung wenig über die Wirkungsweise sagen kann - so ist doch soviel sicher, dass eine Videoüberwachung wohl überlegt eingesetzt werden sollte, sonst kostet sie nur Geld und bringt im Zweifelsfalle nichts. Das damit vordergründig einem Sicherheitsbedürfnis mancher Bürger entsprochen wird, sagt eben noch nichts aus über die Wirkungsweise. Und im vorliegenden Fall scheint es vor allem darum zu gehen.

Mal sehen, was daraus wird und wie in diesem Fall der schwarz-grüne Senat reagieren wird. Im Falle St. Georgs hat er einen Abbau der Kameras vorerst gestoppt und verweist auf die Prüfung der Wirksamkeit durch die Innenbehörde selbst. Auch das wäre einen Eintrag wert - aber noch ist ja nichts über diese ominöse Prüfung bekannt.

Adding comment 26. September 2008 - 14:24

Mehr CCTV Guerrilla-Kunst

Newsweek hatte schon vor einiger Zeit einen Artikel zur kunstvollen Verwendung von Videoüberwachungsbildern - ich glaube aber, dass er noch immer lesenswert ist. Watching the Watchers ist der Titel und es geht um Hacker-Künstler, die sich die teilweise unsichere Technik zu Nutze machen, um Kunstaktionen zu verwirklichen, die den eigentlichen Sinn von CCTV ad absurdum führen. Der Film von Manu Luksch (siehe letzten Eintrag) kommt auch darin vor, aber auch eine Gruppe in Oldenburg, die Bilder von einer Burger-Kette in die nächste umgeleitet haben soll. Eine herrliche Form der Gegen-Überwachung und ein schönes Spiel mit Kameras und der Allgegenwärtigkeit von oftmals nichtssagenden Bildern.

Right under Big Brother’s nose, a new class of guerrilla artists and hackers are commandeering the boring, grainy images of vacant parking lots and empty corridors for their own purposes. For about $80 at any electronics supply store and some technical know-how, it is possible to tap into London’s CCTV hotspots with a simple wireless receiver (sold with any home-security camera) and a battery to power it. Dubbed “video sniffing,” the pastime evolved out of the days before broadband became widely available, when “war-chalkers” scouted the city for unsecured Wi-Fi networks and marked them with chalk using special symbols.

Adding comment 23. September 2008 - 10:49

Interview mit Filmemacherin

Die Filmemacherin Manu Luksch hat einen Film gemacht (ist schon eine Weile her), der nur aus den Bildern von Videoüberwachungskameras stammen. In der Süddeutschen gibt sie dazu ein Interview.Das passt auch schön zu dem Autowerbefilm im Eintrag vorher -

sueddeutsche.de: Um an die Bilder zugelangen, haben Sie sich auf das britische Datenschutzgesetzt berufen, das den Zugang zu allen Bildern erlaubt, auf denen man selbst zu sehen ist. War es schwierig, an das Material zu kommen?

Luksch: Unter jeder Kamera muss sich laut Gesetz ein Hinweis finden, wer die Kamera installiert hat. Das kann die Polizei, ein Geschäft oder eine Privatperson sein. Tatsächlich wird das aber kaum so gehandhabt

sueddeutsche: Wie haben die Betreiber der Kameras auf Ihre Anfragen reagiert?

Luksch: Mit schockierender Ignoranz des Datenschutzgesetzes. Anfragen scheiterten, weil Bänder verlegt wurden oder Daten angeblich gelöscht wurden. Oder man hat einfach die Legitimität meiner Anträge in Frage gestellt.

Adding comment 19. September 2008 - 15:11

CCTV als Werbung

Ein herrliches Schaufensterbild ist mir in Barcelona über den Weg gekommen. Es zeigt wie weit das BIld der Kamera schon zu einer Ikone geworden ist, die nun auch mehr und mehr in die populäre Kultur Einzug hält. Hier in einem Schaufenster eines Luxustaschenherstellers. Fast schon Kunst.

Nachtrag: Es ist nicht nur in Barcelona oder St. Tropez (siehe Kommentar) so, sondern offensichtlich rund um die Welt, siehe bei flickr

Und wo wir gerade bei Werbung und CCTV sind - hier noch ein Werbespot für einen französichen Kleinwagen (Danke an Dietmar für die Links)

2 Comments 15. September 2008 - 15:20

Next entry Previous entry


RSS feeds

Aktuelle Links