Archiv für die Kategorie ‘Strafvollzug/Gefängnis’

Annalist und die wandernde Maus

Die Auswirkungen von Misstrauen, Verfolgung und nicht selbst verantworteter Paranoia lassen sich auf dem annalist-Blog nachlesen, wo Anna, die Partnerin von Andrij Holm ihr Leben unter Überwachung reflektiert und für uns transparent macht. Dass man sich dann auch über wandernde Computermäuse wundert, ist wohl nicht sehr überraschend. Ein grotesker Ausblick auf das was eine Gesellschaft erwarten könnte, die mehr und mehr auf dem Misstrauen dem anderen gegenüber aufgebaut ist - Misstrauen, das gesäht wird und durchaus Früchte tragen kann. Über die Kosten müssen sich die Urheber ja auch keine Gedanken mehr machen.

Und es ist das derzeit beste Beispiel für eine Gegen-Überwachung, wenn sie auch an der Überwachung als solche nichts ändern wird. Nur Öffentlichkeit scheut niemand so sehr wie die Schlapphüte und die clandestinen Dienste.

Adding comment 14. February 2008 - 15:45

Hilflose Rufe nach Kameras und Lerneffekte

Manchmal muss man sich schon wundern - da verteidigt der Berliner Innensenator die Videoüberwachung der BVG, u.a. mit dem Satz:” Wir brauchen diese Überwachung, übrigens auch wegen der terroristischen Bedrohung” und vergisst, dass eine Studie gerade der Berliner U-Bahn Überwachung eher schlechte Noten ausgestellt hat. Aber er sagt auch - und das ist in diesen Tagen die neueste Weisheit - das mehr Personal von Nöten ist. Das ist aber wirklich neu!

Inzwischen ist in fast jeder Kommune die Videoüberwachung zu einem gern installiertem Instrument geworden - aber es geht auch weniger martialisch und in guter Kooperation, wie das Beispiel Villingen-Schwenningen zeigt, wo allerdings auch der Präventionsgedanke, der so noch gar nirgendwo bewiesen worden ist, hervorgehoben wird. Aber immerhin.

Und in Heilbronn sieht man sogar die Probleme differenziert und klärt zu alllererst was Kameras leisten können - nämlich allenfalls die Überwachung eines engen Raumes und nicht weite Gebiete bzw. sich über größere Räume bewegende Täter. Und schließlich bauen die Stadtväter dort sogar wieder ab, wenn das Problem gelöst ist - im Sinne der Videoüberwachung gelöst.

Gleichzeitig wird in München bereits ein weiterer Täter mit Videobildern gesucht. Wer etwas auf diesen Fotos erkennt, hat echt gute Augen oder ein gutes Vorstellungsvermögen - die Bilder sind einfach schlecht und Kapuzen tragen die Täter auch noch. Ich hoffe nicht, das dieses ein Lerneffekt aus dem letzten Überfall ist.

Adding comment 14. January 2008 - 13:43

Nun doch Forderungen nach mehr Kameras

Nach den eindrucksvollen Bildern von dem feigen Überfall in München mahnte ich noch, dass nun die Rufe nach mehr Kameras aus allen falschen Gründen zunehmen werden. Aber erst mal passierte gar nichts - es entbrannte dank Roland Koch eine furchtbare Debatte um das Jugendstrafrecht, um kriminelle Ausländer als Zunder für den heimischen Wahlkampf in Hessen. Inzwischen haben so ziemlich alle den Faden dankbar in der einen oder anderen Weise aufgelesen und mischen kräftig mit.

Nun aber doch noch die Forderungen nach mehr Videoüberwachung. Koch selbst fordert einen Ausbau im öffentlichen Nahverkehr (aus manchen Gründen haben Kameras hier eine Wirkung - noch ist nicht ganz klar welche und bei welchen Taten die Kameras hier von Nutzen sein können), der CSU-Kandidat für das Bürgermeisteramt, Josef Schmidt, in München gar eine “flächendenckende Videoüberwachung“.

Die Debatte wird wohl zunächst bei den Jugenstrafen bleiben - aber die Kontrollmöglichkeiten werden darin auch immer eine Rolle spielen. Wir können uns also auf noch mehr unreflektierte Forderungen freuen.

Adding comment 8. January 2008 - 15:52

Gewalt, Jugendliche und Videoüberwachung

Der Überfall von München kurz vor dem Jahreswechsel hat eine Debatte in Gang gebracht (Heise.de), die sich eigentlich keiner so richtig wünschen konnte - nur Roland Koch setzte noch einen drauf und machte daraus eine Generaldebatte über den Zustand des Jugendstrafrechtes und ließ seinen Wahlkampf so richtig heißlaufen.

Inzwischen gibt es aber angesichts der medienwirksamen Bilder wenigsten ein paar reflektierende Beiträge, die die vorschnellen Schlüsse ein wenig in Relation setzen (Zeit.de). Die Forumsbeiträge bei Telepolis auf meine Artikel zum “Erfolgsmodell Videoüberwachung” sprechen allerdings auch eine deutliche Sprache, wenn man sie als Vox populi interpretieren möchte (ob ich mich als “linker Kanacke” bezeichnen lassen muss, sei einmal dahingestellt).

Die Welt weiß von sinkenden Gewalttaten in den meisten Großstädten, ob allerdings die ebenfalls aufgeführte Videoüberwachung dazu beigetragen haben mag, ist nicht aufgeführt und darf ohne genaue Analyse weiterhin bezweifelt werden.

Tagesschau.de fragt wenigsten, ob jugendliche Gewalttäter tatsächlich zunehmen

Es ist also eine neue Debatte entstanden - eine die Jugendgewalt, das Jugendstrafrecht und (präventive) Überwachung zusammenbringt. Ich hoffe sie über die populistische Schreierei sinnvoll weitergeführt und nicht zum Anlass genommen ein weiteres gesellschaftliches Feld für die verstärkte Überwachung zu besetzen.

Adding comment 6. January 2008 - 19:51

KGB-Gefängnis wird zur Gedenkstätte

Der RBB berichtet heute über die Grundsteinlegung der neuen Gedenkstätte “ehemaliges KGB-Gefängnis” in Potsdam.

Neben dem historischen Gebäude, das einst der sowjetische Geheimdienst nutzte, entsteht ein Neubau mit Veranstaltungs- und Vortragsraum. Die Gedenk- und Begegnungsstätte soll im Mai 2008 eröffnet werden.

Adding comment 3. July 2007 - 15:37

Überwachung im Gewahrsam beim G8

Auch wenn alles glimpflich ablief und die Bewertung des ganzen an dieser Stelle einmal anderen überlassen will - was die Unterbringung und Überwachung der Festgenommenen angeht, scheint Konsequenzen zu haben. Zumindest hat der Republikanische Anwältinnen- und Anwaltsverein (RAV) schon mal Strafanzeige wegen Käfighaltung eingereicht.

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(Photo: bei tagesschau.de durch RAV übermittelt)

Das sieht den Bildern aus dem Polizeigewahrsam in Frankfurt verdammt ähnlich - siehe die Einträge zur Ausstellung Gewahrsam. Räume der Überwachung. Diese Käfige haben weniger mit Bentham zu tun, als dass sie der puren Verwahrung und der direkten Kontrolle dienen, wenn auch nur für einen kurzen Zeitraum.

Dazu meint Heribert Prantl in der Süddeutschen Zeitung:

Diese Käfighaltung manifestiert: Das Recht der inneren Sicherheit in Deutschland ist gekennzeichnet vom Verlust der Maßstäbe und von der Veralltäglichung der Maßlosigkeit.

Mehr zum G8-Gipfel auch im Gipfelblog.

Adding comment 11. June 2007 - 13:07

Nachtrag: Gewahrsam

Die Welt hat heute einen sehr gelungenen Artikel zur Ausstellung “Gewahrsam. Räume der Überwachung” in Frankfurt. Das sie im Internet mit der Schlagzeile “Wie hätte Paris Hilton erst früher gelitten!” aufmacht, liegt wohl auch daran, dass dann der Artikel besser gefunden wird im Netz, denn die flippige Hotel-Erben ist ja seit heute in einem Gefängnis

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1 Comment 6. June 2007 - 14:20

Gewahrsam: Bilder der Ausstellung

Die Ausstellung “Gewahrsam. Räume der Überwachung” in Frankfurt ist sehenswert. Allein schon deshalb, weil der Ausstellungsort gleichzeitig das Artefakt selbst ist. Hier ein paar Bilder für diejenigen, die nicht nach Frankfurt kommen oder sich den lesenswerten Katalog nicht kaufen wollen…. Nun ist das nicht nur ein altes Haus und Gewahrsam der Polizei in Frankfurt - zuletzt renoviert 1957, sondern nach Auskunft der Ausstellungsmacher auch noch bis vor wenigen Jahren als Abschiebeknast genutzt worden - ein wahrer Un-Ort, wie der Direktor des Deutschen Architekturmuseums in seiner kurzen Rede meinte…

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(Alle Photos: (c) Nils Zurawski)

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1 Comment 29. April 2007 - 11:40

Gewahrsam - Räume der Überwachung

Am Sonnabend eröffnet in Frankfurt die Ausstellung “Gewahrsam. Räume der Überwachung” des Deutschen Architekturmuseums. Die Ausstellung geht noch bis zum 1. Juli 2007. Was da so zu sehen ist, werde ich in der nächsten Woche berichten. Ich schau mir das mal an.

Adding comment 19. April 2007 - 15:31

Härter Strafen und besser verwahren

Um einmal den Blick auf das zu lenken was auch zum Thema Überwachung und Kontrolle fällt, bietet der Hamburger Justizsenator eine gute Möglichkeit. Er will den Strafvollzug verschärfen, den offenen Vollzug zurückfahren und wieder mehr verwahren. Er spricht dabei von einem Schutzbedürfnis der Bevölkerung, dass eben so schwamming, wenn gar tatsächlich gestört sein mag, wie das vielbemühte subjektive Unsicherheitsgefühl im Falle der Videoüberwachung landauf landab.

“Wir haben einen Perspektivwechsel vollzogen und das Schutzbedürfnis der Bevölkerung als wichtigstes Vollzugsziel vorangestellt. Das alte Gesetz war zu täterorientiert”, sagte Lüdemann. Ein offener Vollzug werde es nur noch für Gefangene geben, die “deutlich zeigen, dass sie an einer Resozialisierung interessiert sind”, so der Justizsenator. Die abzusitzende Strafe dürfe dabei nicht höher als zwei Jahre sein. Außerdem müssten die Häftlinge “ausreichend dargelegt haben, dass sie nicht suchtgefährdet sind”. Opfer von Straftaten wiederum sollten das Recht haben, über Entlassungstermin und Vollzugslockerungen informiert zu werden. (NDR Online)

Mir schwant, hier sollen künftig gar die Opfer selbst wieder mit über Strafen und Vollzug bestimmen - das wäre eine fatale Abkehr von unserem Rechtssystem, die diese Art der Justiz aus gutem Grund dem Staat übertragen hat und nicht dem Mob. Die Tendenzen sind aber klar erkennbar, nicht nur hier, sondern auch in den Veränderungen der Strafen, des Straßmaßes und der oft vorrausschauenden Kontrolle, die Kriminalität am liebsten durch ein Verwahren auf Verdacht ausschalten würde. Das ist zwar eher strikte Kriminal-Soziologie, aber dennoch Teil von Überwachung und Kontrolle jenseits von Datenschutz und Technologie. Kritiker sehen darin eher einer Verschlechterung der Haftbedingungen mit langfristigen Konsequenzen: ” Eine Verschärfung ist für die meisten Gefangenen schädlich”.

Adding comment 14. March 2007 - 11:12


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