Archiv für die Kategorie ‘Stadt/Urbanismus’

Extremismuserfahrungen schützen vor übertriebener CCTV-Euphorie

So sieht es zumindest Timothy Garton Ash, dessen Zitat ich heute im Tagesspiegel entdeckte:

“Tatsächlich ist es wohl Ihre Geschichte, die erklärt, warum Sie nicht so enthusiastisch über einen seine Bürger ausspionierenden Staat sind (zum wiederholten Male). So wie es der britische Akademiker und Journalist Timothy Garton Ash – der selbst eine Stasi Akte hatte und darüber in seinem großartigen Buch ["Die Akte Romeo", Anm.) geschrieben hat – aufgezeigt hat: “Precisely because German lawmakers and judges know what it was like to live in a Stasi state, and before that in a Nazi one, they have guarded these things [privacy] more jealously than we, the British, who have taken them for granted. You value health most when you have been sick”.”

Adding comment 3. March 2010 - 18:24

Leipziger Kamera verabschiedet sich

Die “Leipziger Kamera. Initiative gegen Überwachung” hat vorerst ihre Arbeit eingestellt. Sechs Jahre lang haben wir Kritik an der allgegenwärtigen Ausweitung von Überwachungstechnologien und -pratiken geübt. Dabei haben wir unzählige Veranstaltungen organisiert, Vorträge gehalten, Interviews gegeben, Bündnisse unterstützt und Stadtführungen angeboten. Wir haben 2 Erich-Mielke-Gedächtnispreisverleihungen für „verdiente“ ÜberwacherInnen inszeniert, die Videokameras aus Leipzigs Innenstadt kartographiert, unsere Stadtführungen vertont, Aktionen mit den Space Hijackers, den New York City Surveillance Camera Players und dem Seminar für angewandte Unsicherheit durchgeführt und in unserem Buch KONTROLLVERLUSTE „33 Bespickungen des verrotteten, in Private-Public-Partnership gegrillten Sicherheitsbratens“ (W.D. Narr) versammelt.

Damit ist das Ziel selbstverständlich nicht erreicht, doch können wir feststellen, dass das politische Spektrum der Überwachungskritik in der Vergangenheit gewachsen ist. Nun ist es an der Zeit, dass andere das Projekt weiterführen, Überwachungskritik und Datenschutz mit linker Gesellschaftskritik, kritischem Urbanismus und respektlosem Aktivismus zu verbinden. Wir werden als Einzelpersonen auch in Zukunft in verschiedenen – auch thematisch verwandten – Gebieten aktiv sein, und versuchen auch unser Buch “Kontrollverluste. Interventionen gegen Überwachung” (Unrast-Verlag, Münster 2009, 18 EUR) zu begleiten und Buchvorstellungen zu organisieren.

Weitere Informationen und Probetexte zum Buch unter kontrollverluste.twoday.net

Adding comment 12. August 2009 - 10:01

Generalverdacht im Gefahrengebiet

Einladung zur Diskussionsveranstaltung mit

Dr. Peter Ullrich, Soziologe/Kulturwissenschafler (Universität Leipzig), Mitglied der “Leipziger Kamera. Initiative gegen Überwachung” sowie Co-Autor und Herausgeber des aktuellen Buches ”Kontrollverluste. Interventionen gegen Überwachung“, Unrast Verlag, März 2009,

Christiane Schneider, Innenpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft,

am Dienstag, den 5.5.2009, Beginn 19.00 Uhr, Restaurant “Feldstern”, Sternstr. 2, 20357 Hamburg.

Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne unter Tel. 0170 2886507 zur Verfügung.

mehr…

Adding comment 5. May 2009 - 09:35

Videoüberwachung als Fakt, Fiktion & Mythos

Kammerer, Dietmar 2008: Bilder der Überwachung, Frankfurt: Suhrkamp, ISBN 9783518125502, 284 S., 13 €.

rezensiert von Peter Ullrich

Dietmar Kammerer verfolgt mit seiner 2008 bei Suhrkamp veröffentlichten Dissertation einen spannenden und längst überfälligen Ansatz, Videoüberwachung einmal anders „zu lesen“ (um gleich die poststrukturalistisch-kulturwissenschaftliche Diktion des Autors aufzugreifen). Bisher wurden Kameras v.a. im polizeilichen und kriminologischen sowie im stadtsoziologischen und datenschützerischen Diskurs entweder als Heilsbringer gegen jedwede Form von Kriminalität oder Unordnung überschätzt oder aber als wirkungslos und zudem für die Freiheit bedenklich kritisiert. Die zweite (zudem auch empirisch deutlich besser fundierte) Position hatte immer mit dem Problem zu kämpfen, dass ihr rationalistischer Einwand gegen die Überwacher und deren Schein- und Pseudoargumente so machtlos blieb. Man kann das vorliegende Buch als einen Versuch verstehen, dieser Frage, warum es trotz allem so viel Videoüberwachung gibt, auf den Grund zu gehen (S. 84). Weiterlesen »

3 Comments 18. March 2009 - 10:20

BKA und Architekten

Das BKA braucht die Hilfe von Architekten, denn die Gesichtserkennungssoftware der Polizei funktioniert nur dann richtig, wenn die Kameras gut Licht haben und richtig angebracht werden. Und deshalb bitte ihre örtliche BKA-Dienststelle und Mithilfe – mit einem Aufruf im Deutschen Architektenblatt.

Das BKA klagt nun zu den Bildern von draußen: „Diese (Video-)Aufnahmen sind häufig aufgrund der ungenügenden Bildqualität für derartige Recherchen nicht oder nur bedingt geeignet. Auf diese Situation können jedoch Architekten Einfluss nehmen“ – vor allem durch richtige Kamerastandorte oder Leerrohre dafür und durch angemessenes Licht.

2 Comments 3. February 2009 - 10:30

Stadt – der Ausschluss der Entbehrlichen

Auf Kampnagel in Hamburg findet am 6. und 7. Februar die Veranstaltung “Forum Diskurs Dramaturgie / Thema Stadt – der Ausschluss der Entbehrlichen – Sicherheit und Überwachung” statt.

Hamburg arbeitet mit Hochdruck an seinem perfekten Stadtimage. Dabei ist – wie in allen großen Städten – die Verdrängung unerwünschter Personenkreise aus bestimmten städtischen Gebieten auffällig. Der öffentliche Raum wird immer mehr an den Bedürfnissen konsumfreudiger Mittel- und Oberschichten ausgerichtet, mit dem Ziel der Ausgrenzung unerwünschten Verhaltens durch Sicherheitsbestimmungen und Überwachung.

Ich bin gespannt auf die Diskussion und die Vorträge (ich selbst werde auch etwas dazu beitragen:

Adding comment 13. January 2009 - 23:11

Big Brother Business und CCTV

David Wood von Ubisurv weist auf zwei interessante Artikel bzw. Fernsehsendungen hin – eine zum Big Business mit Big Brother und eine zu CCTV, vulgo Videoüberwachung, in britischen Städten.

Adding comment 7. July 2008 - 21:09

Sicherheit in Bremen

Sie sind seltener, aber es gibt sie: Umfragen zum Sicherheitsgefühl. Und wie die taz zeigt, ergeben sie manchmal Ergebnisse, die sich mit dem landläufigen offiziellen Verlautbarungen nicht decken.

Dass die Beeinträchtigung allein durch den Verkehr “so massiv sei”, sagte Innensenator Ulrich Mäurer (SPD), das habe er bislang “nicht vermutet”. Weniger häufig als noch vor drei Jahren wurde indes über nicht näher definierte “Migrantenprobleme” geklagt.

Das es sich dabei um eine selektive Wahrnehmung handelt, verwundert mich nicht, denn genau deshalb gibt es ja überhaupt Orte, wo man sich sicher fühlt oder eben nicht. Oft handelt es sich dabei Orte, die man nicht mal aus eigener Anschauung näher kennt – wie wir für Hamburg gezeigt haben.

Mehr Forschung zu diesem Phänomen ist also angesagt – interessant in dieser Hinsicht ist auch der Forschungsbericht des schon länger abgeschlossenen Projektes European Insecurities, von den damals noch an der TU Hamburg-Harburg, heute: Hafencity Universität beheimateten Stadtsoziologen.

Adding comment 18. June 2008 - 14:12

Zur Zukunft der polizeilichen Videoüberwachung in Hamburg

Die Überraschung war groß. CDU und Bündnisgrüne haben in Hamburg die erste schwarz-grüne Koalition besiegelt. Einig war man sich, dass die polizeiliche Videoüberwachung – Hamburg ist mit 17 Kameras auf der Reeperbahn und am Hansaplatz bundesweit Spitze – fortgeführt werden soll. Hierzu der Koalitionsvertrag etwas kryptisch:

An der Videoüberwachung im öffentlichen Raum an Kriminalitätsschwerpunkten wird unter besonderen Rahmenbedingungen grundsätzlich festgehalten. Zur bevorstehenden Evaluierung der praktischen Umsetzung der Videoüberwachung werden insbesondere die Empfehlungen des Datenschutzbeauftragten im schweizerischen Kanton Zürich – wie beispielsweise die Prüfung von Alternativen oder die Möglichkeiten eines nur temporären Einsatzes – als Kriterien herangezogen. Bis Ergebnisse vorliegen, wird auf die Ausweitung der Videoüberwachung an neuen Standorten verzichtet.

Was die “besonderen Rahmenbedingungen” sind, wer, wie evaluiert und warum nun trotz langjähriger Beschäftigung deutscher Datenschützer mit dem Thema und jüngerer Empfehlungen des Europarates ausgerechnet der Züricher Datenschutzbeauftrage als Kronzeuge herhalten muss … dies alles bleiben offene Fragen. Insofern dürfen wir gespannt sein, wie lange der Verzicht auf die Ausweitung anhält. Als die Grünen im Jahr 2000 zähneknirschend der Videoüberwachung in Nordrhein-Westphalen zustimmten, hieß es noch, sie seien von der SPD “erpresst” worden. Hiervon kann in Hamburg wohl keine Rede sein. Klingt eher nach einem Tauschhandel: Die Fortführung der Videoüberwachung als Zugeständnis für eine vermeintlich sozialere städtische Sicherheitspolitik. Heißt es doch einen Absatz über der Vereinbarung zur Videoüberwachung:

Im öffentlichen Raum wird es keine Verdrängung sogenannter randständiger Gruppen geben. Die bestehenden ordnungsrechtlichen Regelungen bieten eine gute Handhabe gegen Störungen im öffentlichen Raum und sollen nicht weiter ausgeweitet werden.

Angesichts der Großen Anti-Bettler-Koalition aus konservativen Leistungsmoralisten, Handelskammer, Business Improvement Districts, parternalistischer Sozialverwaltung und sozialdemokratischen Bezirkspolitikern besteht der politische Erfolg der Grünen wohl hauptsächlich darin, dass auf eine Eskalation der Anti-Armen-Politik verzichtet werden soll. Also: Business as Usual in Hamburg …

4 Comments 21. April 2008 - 09:19

BIDs – ein anderes Instrument der Überwachung

Technische Überwachung steht zwar nicht im Zentrum, spielt aber auch eine
Rolle:

Töpfer, Eric, Volker Eick & Jens Sambale (2007): “BIDs – neues Instrument
für Containment und Ausgrenzung? Erfahrungen aus Nordamerika und
Großbritannien”
, in: Prokla. Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft,
Nr. 149 (4/2007), S. 511-528.

Adding comment 11. April 2008 - 21:03

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