Archiv für die Kategorie ‘Kommentar’

Noch mehr Forschung zu Kameras

Auch die Uni Potsdam freut sich über eine Förderung im Rahmen der Sicherheitsforschung des BMBF. Hier geht es ähnlich einem anderen bereits erwähnten Projekt um “innovative Verfahren der Erkennung und Verarbeitung von Bild- und Sensordaten für zivile Sicherheitslösungen (Mustererkennung).” (Teil des Verbundprojekt MuVit)

Das eine ist die Kritik an der vom BMBF finanzierten Sicherheitsforschung, an der auch Kollegen in durchaus wichtigen und unstrittigen Projekten beteiligt sind. Der Spagat zwischen genehmer und kritischer Forschung ist dann manchmal in der Tat schwierig. Aber das ist hier nicht das Thema. Vielmehr sollte man sich in der Forschung vor Politikern hüten, die sich solcher Drittmittel-Erfolge annehmen, um ziemlich unqualifizierten Unsinn dann dazu verbreiten, dessen Gehalt nicht über die üblichen Platitüden hinausgeht. Ob der Forschung und der Diskussion und auch den Kollegen damit geholfen ist, möchte ich bezweifeln.

3 Comments 5. June 2010 - 20:39

Neue Regeln – alte Muster?

“It’s much more tailored to what intelligence is telling us and what the threat is telling us, as opposed to stopping all individuals from a particular nationality or all individuals using a particular passport,” the administration official said Thursday, speaking on the condition of anonymity in advance of the formal announcement. New York Times, 1.4.2010

Die Veränderungen der Maßnahmen zur Einreise, die nun nicht mehr so diskriminierend gegen den Islam als solchen sein sollen, erinnern mich ein wenig an die Pointe eines Witzes, der als Lösung auf eine rassistisches Problem vorschlägt, dass sich alle grün anmalen – und am nächsten Tag heißt es dann: Die hellgrünen nach vor und die dunkelgrünen nach hinten. Die neuen Regeln verlagern nur den Fokus, dass generelle Problem der verdächtigenden Klassifikationen lösen sie nicht – wahrscheinlich lässt sich das Problem in dieser Hinsicht auch gar nicht lösen, nur immer wieder verlagern.

Das Department of Homeland Security hat auch ein paar Infos dazu und den Report zum Surface Transportation Security Priority Assessment (als pdf).

Adding comment 7. April 2010 - 20:11

Zweifelhafter Rekord

Weltweit ist es wohl London, so die immer wieder kolportierte richtige oder falsche Mutmaßung hinsichtlich der meisten Kameras in einer Stadt. In den USA soll es nun Chicogo sein, die diesen Rang für sich beansprucht. Das könnte in Zukunft ein herrlicher Wettbewerb werden -  einer mit dem dann Kommunalpolitiker  vor ihren Kollegen auf  Treffen und Tagungen angeben können – wenn sie das denn dann wirklich wollen.

Cameras make Chicago most closely watched US city

Adding comment 7. April 2010 - 18:49

Kameras für Party Studenten in Belfast

Eigentlich sind neue Kameras nicht so sehr berichtenswert, aber wo ich schon einmal vor Ort bin, kann ich auch dazu ein paar Takte sagen.

Mit großer Zustimmung wurde die Installation von Kameras in Belfasts Studentenviertel aufgenommen – denn die inner-wöchentlichen Trinkgelage und deren ausufernde Konsequenzen, bis hin zu gewalttätigen Straßenschlachten mit einer nicht unbedingt zimperlichen Polizei, nehmen überhand und viele der anderen Anwohner fühlen sich gestört. So weit, so gut. Es mag überraschen, dass auch Sinn Fein Politiker wie Alex Maskey dem Zustimmen. Bisher hatten Republikaner in Nordirland die Kameras vor allem mit den Repressionen während der Troubles in Verbindung gebracht – gegen die katholische Bevölkerung. Nun sieht er sogar einen erzieherischen Sinn darin:

Alex Maskey, Sinn Fein MLA for the area said cameras “always have to some extent a limited effect”. “But at the end of the day there has been that much bother in this area the residents have been very strongly clamouring for some support and some assistance and unfortunately cameras have had to be put in. “So let’s hope that at least at this point in time they’ll be a deterrent to bad behaviour,” he said.

Wenn man allerdings die Strukturen sozialer Kontrolle, wie sie auch von den Paramilitärs in bestimmten Wohnvierteln Belfasts (und anderswo) ausgeübt wurde (wird?), dann ist es nicht überraschend, dass anti-soiales Verhalten nun auf “zivile” Weise eingedämmt werden soll und solche Maßnahmen auch begrüßt werden.

Ich bin leider nicht in der nächsten Woche hier um vom “Großkampftag” St. Patricks Day zu berichten, aber es wird bestimmt einiges los sein.

Adding comment 12. March 2010 - 15:15

Künstliche Aufregung – unsinnge Überwachung?

Zeitungen und Fernsehen waren ganz nervös und witterten den nächsten großen Skandal – Funkkameras können angezapft werden! Ja, und? fragt sich der Bürger, Wissenschaftler oder Aktivist – davon reden wir seit Jahren – der Missbrauch lauert überall.

Ilka Kreutzträger hat es für die taz noch mal auf den Punkt gebracht. Ein Skandal ist nicht zu sehen – wohl aber jede Menge Dumm- und Frechheit.

Ähnlich kann man auch die Nutzung von Fingerabdruckscanner für die Anwesenheitskontrolle bei Gottesdiensten in einer polnischen Kirche sehen. Wenn es geht, wird es auch gemacht. Und wenn keine Regelungen gegen unsinnige und flächendeckende ANwendungen solcher Techiken existieren, kommen auch Kirchenleute auf komische Ideen – auch Gott sieht nicht alles, oder was ist die Überlegung dahinter? Dabei sind die Kirchen ohnehin voll in  Polen, warum also diese Aufregeung? Es zeigt aber dass noch lange nicht alle Räume und Situationen überwacht werden, die man überwachen könnte.

Adding comment 1. February 2010 - 09:30

Ausblicke zum neuen Jahr…

2010 ist, was die Überwachung betrifft, wohl kein besonderes Jahr, nicht mehr und nicht weniger besonders als die Jahre vorher. Aber es haben  noch zum Ende des alten Jahres eine Reihe von Prozessen begonnen, deren Folgen wir in diesem Jahr mit Spannung erwarten dürfen.

- Der “Nacktscanner” – kommt er oder kommt er nicht in Deutschland. In Großbritannien sind sie bereits beschlossen (wen wundert’s). Dazu gibt es auch ein Interview mit der Kollegin Regina Ammicht Quinn aus Tübingen in der FR. Im Spiegel (und wohl auch anderswo) bezweifeln Experten den Nutzen dieser Dinger. Wichtig in diesem Zusammenhang scheint mir zu sein, dass 9 Jahre nach 9/11 die Angst nicht nachlässt und die Sekurokraten immer noch eine Sau haben, die sie durch das Dorf treiben können. Die Geheimdienste patzen und der Scanner soll es dann richten oder der Mangel an überteuerten oder wahlweise unnützen Artikeln im Duty-free Bereich? Hier wundert mich so einiges…

- wir erwarten die Entscheidung im Verfassungsgerichtsurteil zur Vorratsdatenspeicherung und hoffen das für diese anti-liberalen Gesetze der Regierung die Leviten gelesen werden.

- Elena soll uns künftig beglücken – und dieses System ergibt angesichts der gegenwärtigen phantasielosen, aber wirkungsvollen (Un)Sozialpolitik der Regierung in Berlin viel Sinn. Wenn schon nur schlecht für alle gesorgt wird, dann muss man die potenziell Unzufriedenen auch noch besser überwachen, inklusive ihrer Krankentage, der Streiktage usw (auch wenn das nun nicht kommen wird) – der Lohnempfänger als dankbarer, aber möglichst ruhiger Zeitgenosse (von Bürgern will ich in diesem Sinn nicht mehr sprechen, denn das genau sollen sie nicht nicht sein, allenfalls bevormundete Kunden).

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2 Comments 3. January 2010 - 19:27

Alles sehen mit Kameras

Die letzten Wochen waren ja eher ruhig und ich auch mit anderen Sachen beschäftigt, aber nun kommt doch noch der Hamburger Polizeipräsident um die Ecke und fordert eine Vernetzung der Hamburger Kameras, auch weil “die Hamburger Polizei will im neuen Jahr verstärkt auf Videoüberwachung setzen will”. Dabei geht es in erster Linie um die U- und S-Bahn-Kameras und deren Live-Bilder.

Es hat in der Tat ein wenig gedauert bis neue Begehrlichkeiten wie diese geäußert wurden, aber nun ist es raus und ich bin gespannt welchen Träume und Phantasien sich daran noch so entzünden. Abgesehen davon, dass die präventive Wirksamkeit der Kameras und andere Effekte nicht so wissenschaftlich nachweisbar sind, wie die Polizei es gern hätte, geht es schon längst nicht mehr nur darum. Kameras sind ein Machtfaktor, ihre Ausweitung hat ganz andere Konsequenzen und das Einfallstor “Sicherheit der Bürger” ist inzwischen zu einem billigen Scheinargument verkommen, was sich anden Äußerungen des Polizeipräsidenten zeigt. In der hier vorgetragenen Logik ist eigentlich nie Schluss mit den Kameras – was bereits Initiativen wie Indect zeigen, die als feuchter Traum der europäischen Polizeien bezeichnet werden müssen.

Ich hoffe die Diskussion wird nach den ruhigen Weihnachtstagen wieder verschwinden, aber damit sind die Ideen natürlich nicht vom Tisch. Es ist an der Hamburger Politik hier jetzt etwas zu tun, um diesen Ausuferungen Einhalt zug gebieten.

1 Comment 29. December 2009 - 09:59

“Indect”: Werkzeuge für den Präventivstaat

Die Futurezone beim ORF kommentiert das  EU-Projekt Indect, welches Ideen und Umsetzungen zu einer verbesserten Informationslage bezüglich der Sicherheit in Europa entwickeln will. Laut eigener Aussage von Idect ist das Ziel…

…. to develop a platform for: the registration and exchange of operational data, acquisition of multimedia content, intelligent processing of all information and automatic detection of threats and recognition of abnormal behaviour or violence,

Wie Futurezone feststellt, ist innerhalb des Projektes, an dem auch der Police Service of Northern Ireland teilnimmt, der britischen Polizei ein bessonderer Coup gelungen:

Im EU-Überwachungsprojekt “Indect” stehen auch die beteiligten Wissenschaftler selbst unter Beobachtung. Mit einem Trick haben es britische Polizei und Inlandsgeheimdienst MI5 geschafft, dass jedes im Projekt erstellte Papier über ihre Schreibtische läuft. Die Falldefinitionen der Polizei führen dazu, dass das System beinahe jede Bewegung im öffentlichen Raum als verdächtig einstuft.

Auch wenn die PSNI nicht mehr die alte RUC ist – so ist die Geschichte dieser Polizei, doch mehr als fraglich, wenn es um das Thema Bürgerrechte, Sicherheit und geheimdienstliche Verwicklungen geht.

Wer es genauer wissen will, der kann sich ein Werbevideo von Indect ansehen. Da wird deutlich was mit Security Research gemeint ist. Was mit meiner Sicherheit angesichts von Allmachtsphantasien der Polizei und der wohlmeinenden Techniker ist, ist nicht Thema – aber eine Frage, die sich doch sehr in den Vordergrund drängt angesichts der geplanten Maßnahmen und Vernetzungen. Auch deutsche Firmen und Universitäten sind daran beteiligt – wie bereits die Zeit berichtete.

2 Comments 17. November 2009 - 13:41

Abbau von Kameras?

Ja das ist eine seltene Nachricht – und noch ist auch nicht raus, wie diese Diskusson schließlich enden wird. Herrlich ist die aber schon jetzt. Da werden von fast allen Seiten die üblichen absurden Argumente verbreitet – gerade für den Hansaplatz habe ich schon vor ein paar Jahren die Sinnlosigkeit von Kameras gemutmaßt. Die Initiative “Kultur statt Kameras” getragen von Bürgern aus St. Georg – Menschen, die nie zur Installation der Kameras befragt worden sind – ist der ein wichtiger Beitrag dazu, wie auch mit schwierigen Räumen umgegangen werden kann.

Der NDR hat eine ganz gute Übersicht zu dem Thema. Hansaplatz-Kameras sollen nie mehr filmen

(Mal ganz abesehen von der “internen” Evaluation der Kameras…  und man könnte fragen, wozu wir überhaupt diskutieren und uns einmischen . Oder man schaut mal darauf, was unsere britischen Nachbarn so für Erfahrungen damit haben und über die Kameras sagen – dort wendet sich gerade die Meinung: Soaring CCTV cameras ‘are costly, futile and politically motivated’ (Times, 13.10.2009).

1 Comment 13. October 2009 - 11:33

Nachtrag: Angriff auf die Freiheit

Ein Nachtrag zu diesem Posting. Inzwischen konnte ich das Buch Angriff auf die Freiheit selbst in Augenschein nehmen. Die gute Nachricht: Trojanow/Zeh polemisieren um einiges differenzierter, sachkundiger und erträglicher als Wolfang Sofsky, dessen “Verteidigung des Privaten” auf eine (wirtschafts-)liberale Verteidigung des Privateigentums und prinzipielle Staatskritik hinausläuft.

Bei Sofsky war der Staat ein datenfressendes, herschaftssüchtiges Monster und die Bürger im großen und Ganzen willige “Untertanen”, die es sich längst im “Gefüge der Unfreiheit” bequem gemacht haben, was den Ruhm des gegen den Trend einsam Mahnenden natürlich entsprechend erhöht. Bei Trojanow/Zeh sind die Bürger nur getäuscht oder unwissend, und also besteht noch Hoffnung, wenn man sie nur scharf genug wachrüttelt.

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4 Comments 30. September 2009 - 19:41

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