Archiv für June, 2007

Werbung, Konsum und Überwachung

Unter dem Titel “Orwell im Netz” hat die Zeit einen interessanten Artikel zu den Kollateral-Schäden des Online-Marketing veröffentlicht. Allen voran betreibt Google das “geheime” Marketing, wie die Zeit es nennt, mit großem Elan. Das das uns Nutzer durchaus betrifft und nicht nur ein zu vernachlässigender Effekt der schönen neuen Online- und Konsumwelt ist, wird dort sehr schön beschrieben (und ist auch so neu nicht):

Wohin die Sammelwut personenbezogener Daten führt, beschreibt das Internet-Portal Yahoo ganz unverhohlen auf seiner Webseite. An einem Tag generiere Yahoo mit 16 Terabyte weltweit mehr Nutzerdaten als der weltgrößte Einzelhandelskonzern Walmart in einem ganzen Jahr, protzt der Internetdienstleister. Datenspezialisten leiten daraus Verhaltensmuster ab, qualifizieren Benutzergruppen und entwickeln komplexe Modelle für Entscheidungsprozesse vor dem Kauf. Das Ziel: Die Anzeigen soll genau dann eingeblendet werden, wenn die Kaufabsicht feststeht und der Interessent dabei ist, eine Entscheidung für eines der Angebote zu treffen.

Adding comment 13. June 2007 - 13:43

Überwachung im Gewahrsam beim G8

Auch wenn alles glimpflich ablief und die Bewertung des ganzen an dieser Stelle einmal anderen überlassen will - was die Unterbringung und Überwachung der Festgenommenen angeht, scheint Konsequenzen zu haben. Zumindest hat der Republikanische Anwältinnen- und Anwaltsverein (RAV) schon mal Strafanzeige wegen Käfighaltung eingereicht.

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(Photo: bei tagesschau.de durch RAV übermittelt)

Das sieht den Bildern aus dem Polizeigewahrsam in Frankfurt verdammt ähnlich - siehe die Einträge zur Ausstellung Gewahrsam. Räume der Überwachung. Diese Käfige haben weniger mit Bentham zu tun, als dass sie der puren Verwahrung und der direkten Kontrolle dienen, wenn auch nur für einen kurzen Zeitraum.

Dazu meint Heribert Prantl in der Süddeutschen Zeitung:

Diese Käfighaltung manifestiert: Das Recht der inneren Sicherheit in Deutschland ist gekennzeichnet vom Verlust der Maßstäbe und von der Veralltäglichung der Maßlosigkeit.

Mehr zum G8-Gipfel auch im Gipfelblog.

Adding comment 11. June 2007 - 13:07

Überwachen ist menschlich…!

Zu diesem Thema gibt es bei der diesjährigen Nacht des Wissens an der Uni Hamburg einen “bunten Abend mit Big Brother”.

Im Hauptgebäude der Uni in Hamburg, Hörsaal J von 21. bis 21.40 Uhr.

Wir freuen uns

Nils und Ilka

Adding comment 8. June 2007 - 13:41

Nachtrag zu den fliegenden Kameras

Ein Bericht aus The Register über Liverpool police get mini-Black Helicopter sowie eine Ausgabe von Police Aviation News mit noch mehr Material zum Thema der fliegenden Augen in England und sonstwo. Das Kino war schneller, aber wurde dann doch eingeholt.

The era of Robocop - and perhaps of the surveillance society - came a step nearer today with the announcement that Merseyside plods have started trialling a flying police robot.
The scally sky-patrolman, unlike military kill-bots such as the US Reaper, isn’t intended for any active role. It is purely an observation platform, mounting CCTV with a range of imaging options. (The Register)

Adding comment 7. June 2007 - 15:20

Satelliten-Überwachung gegen Genozid

Überwachung für eine gute Sache? Offensichtlich lässt sich moderne Satellitentechnologie nicht nur für das Ausspionieren von Menschen nutzen, sondern ebenso, um andere Menschen zu schützen.

Heute wird Amnesty International unter der Adresse www.eyesondarfur.org eine Webseite starten, auf der die aktuellsten Luftaufnahmen aus der Region zu sehen sein werden. Die Organisation rief Internetnutzer weltweit dazu auf, ein Auge auf die Vorgänge in der Konfliktregion zu haben. (Spiegel Online 6.7.2007)

Das Internet als kollektives Kontrollinstrument - eine gute Idee in einer oft tatenlos zusehenden Welt, in der Darfur nur dann ein Thema ist, wenn es wieder über alle Maßen aus dem Ruder läuft. Ob es tatsächlich etwas bringt, die Verantwortlichen so unter Druck zu setzen und ob es helfen wird auf der anderen Seite mehr echte Hilfe für echte Lösungen zu erreichen bleibt dahin gestellt. Was alles möglich ist und auf welchen Gebieten diese Art der Überwachung noch stattfinden wird, wird sich zeigen - erste Beispiele gibt es aber bereits, wie zum Beispiel bei der Kontrolle von Migrationsbewegungen in Afrika oder zur Überwachung des Drogenanbaus. Die Grenze von “guter” und auspionierener Überwachung wird immer wackeliger, ganz abgesehen davon, welche Interpretationen aus diesen Bildern und Karten gezogen werden können.

Siehe auch: Computerwache, Telepolis, 6.6.2007:

Adding comment 7. June 2007 - 09:59

Nachtrag: Gewahrsam

Die Welt hat heute einen sehr gelungenen Artikel zur Ausstellung “Gewahrsam. Räume der Überwachung” in Frankfurt. Das sie im Internet mit der Schlagzeile “Wie hätte Paris Hilton erst früher gelitten!” aufmacht, liegt wohl auch daran, dass dann der Artikel besser gefunden wird im Netz, denn die flippige Hotel-Erben ist ja seit heute in einem Gefängnis

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1 Comment 6. June 2007 - 14:20

Wieder mal die sprechenden Kameras….

Auch wenn es schon hinlänglich bekannt ist: In Großbritannien gibt es sprechende Kameras. Nun hat auch tagesschau.de dazu einen schönen Beitrag veröffentlicht - von einem Korrespondenten - mit dem Titel: Wenn Kameras mit dir sprechen….

Schön ist allerdings was Martin Zagatta (der Autor des Beitrages) noch so berichtet:

Vier von fünf Briten geben Umfragen zufolge Innenminister John Reid Recht, der die Kontrolle per Bildschirm befürwortet und solch “sprechende” Kameras nun an möglichst vielen Orten aufstellen will. “Das ist keine Geheimüberwachung, sondern ein öffentliches, interaktives System und so erfolgreich, dass eine Vielzahl von Kommunen im ganzen Land das nun auch einführen will - und wir fördern das mit Zuschüssen”, so der Innenminister. Und die britische Regierung feilt schon an Weiterentwicklungen. In London soll bereits ein Modellversuch laufen, mit Kameras, die mit Richtmikrophonen ausgestattet sind und Gespräche aus einiger Entfernung belauschen können. Forscher arbeiten an einem System, das Lippen lesen kann - und in Liverpool ist die Polizei dabei, bewegliche Überwachungskameras auszuprobieren, die nahezu lautlos aus großer Höhe arbeiten, wie Miniatur-Hubschrauber aussehen und per Fernsteuerung gelenkt werden.

Das ist doch mal eine Perspektive, bei der man sich fragt wohin das noch gehen kann - der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt (siehe auch die fliegenden Kameras in Mailand). Hoffen wir, dass hierzulande zumindest die Gesetzte diesen Begehrlichkeiten noch ein wenig Stand halten.

Adding comment 6. June 2007 - 10:57

Die hässliche Fratze der Überwachung….

… zeigt sich derzeit an der Ostsee im schönen Heiligendamm. Nach monatelangen Vorbereitungen stehen sich jetzt Demonstranten und Politik gegenüber, getrennt durch einen Zaun und das juristische Gezerre um die Demonstrationen. Dazwischen: Die Polizei und der wie auch immer definierte “schwarze Block” der Demo-Hooligans.

Wurden im Vorwege alle Möglichkeiten genutzt, die vermeintlich ans Ziel führen könnten und dabei nicht immer auf die Verhältnismäßigkeit geachtet (und gleichzeitig die Stimmung angeheizt), so sollen jetzt einige Politiker die direkten Maßnahmen der Kontrolle im Konflikt mit den Demonstranten rund um den G8-Gipfel einsetzen, namentlich Gummigeschosse und die GSG 9.

Zum Glück halten das auch Polizisten und andere Leute, die Ahnung besitzen für Quatsch. Gummigeschosse sind nicht ohne Grund in fast ganz Europa verboten - berühmt geworden sind sie vor allem durch ihren Einsatz in Nordirland (während sie in Großbritannien verboten waren). Wer so ein Ding noch nicht gesehen hat, hier ein Bild (aus Wikipedia) zum Größenvergleich.
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Ebenso sind die Dinger in Israel beliebt - dort forden sogar Mediziner ihr Verbot. Also liebe Politiker, wenn ihr nicht wisst wovon ihr redet, dann haltet doch einfach mal den Schnabel und plärrt nicht jeden Unsinn gleich in ein Mikrophon. Vielleicht wäre eine Unterhaltung mit den Opfern der so “harmlosen” Gummigeschosse hilfreich - oder der Austausch mit anderen Menschen, die sich Gedanken darüber machen, wie solche Stimmungen auch zu vermeiden gewesen wären.

Was die Überwachung nicht geschafft hat muss jetzt auf der Straße nachgeholt werden - so scheint es. Die vorrausschauende Kontrolle scheint doch noch nicht so wirksam zu sein wie sie sollte (dazu auch das Interview mit Gerhard Baum bei tagesschau.de)  Das ist gut so, auch wenn die eskalierende Gewalt von Heiligendamm, Rostock und anderswo mein Wohlwollen nicht findet (zu Gewalt und Berichterstattung gibt es auch einen lesenswerten Artikel bei Telepolis).

Adding comment 5. June 2007 - 13:47

Jetzt auch fliegende Kameras

In Mailand, Italien werden künfitg wohl auch bewegliche, in der Tat fliegende Kameras, für Aufklärung sorgen. Der Corriere della Sera (4.Juni 2007) berichtet:

Helicopter-mounted cameras will monitor city streets and squares, seeking out unlicensed waste dumps and building sites. Drone-like devices with video game-style controls.

Hier findet nicht nur eine zusätzliche Überwachung Mailand statt, sondern es zeigen sich dabei auch Züge einer Militarisierung ziviler Kontrolle in einem urbanen Raum:

The miniature helicopter exploits same technology as drones, the pilotless aircraft used in military operations or for spying.The two units purchased by Milan’s city authorities will reinforce a system of video surveillance so extensive that it is comparable elsewhere in Europe only to London’s. In flight, the cameras are operated like a video game.In fact, the American Air Force is considering recruiting X-Box generation pilots who have spent years twiddling the controls of a game console.

In diesem Sinne… schöne Aussichten!

1 Comment 5. June 2007 - 11:05

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