Rezension: Crime and Punishment

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Roger Matthews (Hg.) What is to Be Done About Crime and Punishment? – Towards a “Public Criminology”. 2016, Palgrave Macmillan

von Farina Kronsberg, Hamburg

Das Werk ist eine Zusammenstellung von verschiedenen Artikeln bekannter Autoren, die in 11 Kapiteln die Frage beantworten: Was muss die Kriminologie jeweils leisten um sozial und politisch wieder mehr Relevanz zu erlangen? Ziel der Artikel ist die Förderung einer öffentlichen Kriminologie, welche mehr an Bedeutung erlangen und nützlicher im sozialen und politischen Bereich werden soll.

Gemeinsam haben die Artikel einen Aufruf an die Kriminologie, die Phänomene nicht nur zu beschreiben, sondern sich mehr zu involvieren und aktiver zu forschen. Dies soll auch geschehen, wenn das Engagement politisch ist. Matthews argumentiert im ersten Kapitel, die politische Auseinandersetzung gehöre mit zur Arbeit der Kriminologie und sei wichtig für die Theorie und Begriffsbildung (Seite 2). Des Weiteren findet sich in allen Ansätzen der Rückbezug auf Reformen, die in der Vergangenheit umgesetzt wurden und erfolgreich waren. Diese Reformen sollen ein Muster für Ansätze der Zukunft sein.

Das zweite Kapitel behandelt die theoretische Einordnung der Kriminologie von Elliott Currie. Hierbei geht es sowohl um radikale als auch kritische Theorieorientierungen. Die Wissenschaft der Kriminologie befindet sich an einem Kreuzweg und muss sich gegenwärtigen Themen zuwenden, um Relevanz zu erlangen.

Ein weiterer neuerer Themenbereich ist die Beschäftigung mit dem Phänomen der häuslichen Gewalt. Erst seit kurzer Zeit wird Gewalt zuhause als Verbrechen geahndet und die Erforschung ist ebenfalls neu. Dennoch wird sie strafrechtlich kaum verfolgt und die geschlechterspezifische Verteilung wird kaum betrachtet. Die Autoren Nicole Westmarland und Liz Kelly regen dazu an, dass die Betrachtung täterspezifischer verläuft und auf dem Gebiet viel mehr getan werden muss.

Als nächstes folgt eine Auseinandersetzung von John Pitts mit der Problematik von Gangs und deren Rivalitäten. Ein Schwerpunkt ist die Auswirkung solcher Rivalitäten auf das Umfeld der Jugendlichen, welche hauptsächlich in den Gangs involviert sind. Hierfür wird ein Ansatz vorgeschlagen, wer alle Beteiligten Gruppen und Agenten miteinschließt.

Im 5.Kapitel schreibt Nick Tilley über eine neue theoretische Verortung bei der Verbrechensprävention. Sein Ansatz ist ein bisschen an die Theorie von Robert Merton angelehnt. Laut Tilley reicht es nicht mehr aus die Wurzel des Üblen, also des Verbrechens, zu finden, sondern eine Theorie zu entwickeln, die empirisch überprüfbar ist und auch die kleineren Formen mit einbezieht.

Anschließend untersuchen Ben Bowling, Shruti Iyer, Robert Reiner und James Sheptycki die Arbeit der Polizei. Es geht Ihnen um eine Evaluation der Polizeiarbeit und wie sie sich im Laufe der Zeit verändert hat. Die gegenwärtige Polizeiarbeit wird zunehmend in Frage gestellt. Die Autoren beleuchten, was die Polizei gegenwärtiges tut und was für eine Polizei wir uns in Zukunft wünschen.

Darauf folgt ein Artikel über das Gefängnis von Francis T. Cullen, Daniel P. Mears, Cheryl Lero Jonson und Angela J. Thielo. Das Gefängnis gilt als ein Paradebeispiel der Verbrechensbegegnung. Doch das Gefängnis befindet sich im Umbruch und ist stark umstritten. Von vielen Seiten wird eine Reformierung des Systems gefordert. Es wird häufig von Kriminologen davor gewarnt, wenn an die Richtlinien weitet. Die Autoren schlagen andere Schritte vor, die weniger Schaden anrichten und die Qualität des Systems steigern.

Das 8. Kapitel von Caroline Chatwin beschäftigt sich mit der Bekämpfung der Drogen und der globalen Drogenpolitik. Chatwin verweist darauf, dass neue Strategien entworfen und umgesetzt werden müssen, da die bisherige Politik nicht ausreichend sei. Zukünftig sollte der Bereich der Menschenrechte und die öffentliche Gesundheit stärker einbezogen werden.

Zum Forschungsbereich der Kriminologie gehören auch Wirtschafts- und Unternehmenskriminalität. Die Einflüsse und Effekte sind weitreichend. Fiona Haines schlägt drei Optionen vor, wie man diesen Effekten entgegnen kann. Die Aktivitäten der Wirtschaft sollen einer klareren Regulierung unterliegen, welche zugänglicher und problemorientiert funktionieren soll. Außerdem eine Neustrukturierung der Art und Weise wie die Unternehmen handeln.

Eine neuere Escheinung ist die Internetkriminalität, welche Michael R. McGuire untersucht. Bisher gibt es kaum effektive Strategien zur Bekämpfung. Es müssen nicht nur technische Schritte, sondern auch soziale und politische Schritte unternommen werden, damit die Täter Rechenschaft ablegen.

Als letztes folgt das Thema Prostitution und Sexarbeit. Die Politik wird stark geprägt durch die Wahrnehmung des Themas. Die Autoren stellen das nordische Modell vor und kritisieren das Liberale.

Das Buch bietet einen guten Überblick über die verschiedenen Themenbereiche der Kriminologie und beleuchtet diese sehr anschaulich von unterschiedlichen Seiten. Alle Artikel sollen den Leser anregen über die vielfältigen Themenbereiche selbst nachzudenken. Sie sollen aktiver werden und die Verbindung der Theorie mit der Praxis erkennen. So soll ein effektiverer und nützlicherer Ansatz der Kriminologie entwickelt werden. Das Aufzeigen der Probleme und neuen Herausforderungen findet in jedem der Artikel statt und mögliche Lösungen werden angeboten. Jeder kann sich nach seinem Interesse mit den Ansätzen auseinandersetzen und von dort aus vertiefend weiterarbeiten. Das Buch dient somit als Einstieg um einen neuen Blickwinkel auf bereits bekannte Themen einzunehmen.

Farina Kronsbein, Hamburg

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