Rezension: Carceral Geography

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Dominique Moran: Carceral Geography – Spaces and Practices of Incarceration, 2015, Ashgate

von Andrea Seelich, Wien

Zielgruppe: Strafvollzugsinteressierte

Das auf den ersten Blick handliche Buch macht durch seinen Titel neugierig: „Canceral Geography, Spaces and Practices of Incarceration“. 185 Seiten (davon 30 Seiten Bibliografieangaben) 8 Abbildungen (Gefangenentransportzug, Aussenansicht und Verhörzimmer – Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen; Merchandizing vom in ein Hotel umgebautes Katajanokka Gefängnis in Helsinki; Merchandizing und Symbol vom in ein Hotel umgebautes Langholmen Gefängnis in Stockholm; Aussenansicht und Kunstinstallation vom Paterei Gefängnis in Tallinn, Estland).

Das Buch ist in drei Abschnitte gegliedert: Gefängnis Raum, Geographien des Gefängnissystems, Zustand von Gefängnis und Strafe.

In den einzelnen Kapiteln finden wir zahlreiche Verweise auf die angeführten Quellen, doch keine klare Aussage, noch Fragestellung. Vielmehr scheint es der Autorin wichtig aufzuzeigen, dass ein Forschungsgebiet „Carceral Geography“ notwendig ist. Da kann man ihr mit Sicherheit zustimmen.

Dominique Moran ist Dozentin an der School of Geography, Earth and Enviromental Sciences der Universität Birmingham im Vereinigten Königreich, und forscht auf dem Gebiet der geographischen Persperspektive von Haft. Weiters widmet sie sich interdisziplinär, wie sie anführt den Themen der Rückfälligkeit, Gefängnisdesign und ist die Herausgeberin der Publikation „Mobility and Agency in Imprisonment and Migrant Detention“ ebenfalls Ashgate, 2013. Sie publiziert in Zeitschriften und ihr Institut erhielt wie sie in der Publikation selbst angibt, eine Förderung in der Höhe von £1m vom UK Economic and Social Research Council.

Dies lässt auf eine Dringlichkeit in der Erforschung der Zustände in den Gefängnissen des Vereinigten Königreiches und des internationalen Kontext schließen.

Umso erstaunlicher ist es, dass Moran von Foulcault ausgeht, und den Komplex von Geographie, Gesetzesgebung und Architekturgeschichte auslässt. Auch das Schlüsselwerk des viel gerühmten Sir John Howard bleibt unerwähnt, obwohl gerade seine Publikation „State of the Prisons in England and Wales“, Cardigton, Bedfordshire, 1777, eine gute Vorlagefür die von ihr angeführten Forschungszwecke bieten würde. (Howard bereiste europäische Strafvollzugsanstalten, und beschrieb die Unterschiede)

Die bei Moran angeführten architektonischen und baulichen Probleme, und die Notwendigkeit der Behebung dieser, ist in Deutschland bereits gelebte Realität. Dazu zwei Beispiele:

  • Die JVA Oldenburg steht für eine neue moderne, den Ansprüchen des Vollzuges im 21. Jhd. entwickelte Anstalt, die von der maximalen Funktionalität (Verbindung von Architektur und Betriebskonzept) und Humanität ihres Gleichen sucht.
  • Die JVA Neumünster ist ein vorbildlich gelungenes Beispiel einer Revitalisierung, der eine tiefe Analyse des 100 Jahre alten Bestands vorausging. Eine seltene Bereitschaft zu gründlichster Detailarbeit des Teams (Architekt, Anstaltsleiter und Bedienstete) schaffte eine Transformation in das 21. Jhd. Auch die Kenntnisse über nordische Vollzugspraktiken sind nicht neu.

Es wäre Moran und ihrem Institut zu wünschen, diese und noch zahlreiche andere JVA zu besuchen. Für den deutschen Leser ist die Publikation von Moran hinsichtlich einer Übersicht aus englischer Perspektive interessant.

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