20 Jahre: California Ideology – und immer noch wichtig!

Anlässlich des Jubiläums der California Ideology von Richard Barbrock und Andy Cameron gibt es eine Neuausgabe frei im Netz. Die einleitenden Wort von Geert Lovink sind dabei nicht zu tief gestapelt:

Richard Barbrook and Andy Cameron’s The Californian Ideology,
originally published in 1995 by Mute magazine and the nettime
mailinglist, is the iconic text of the first wave of Net criticism. The
internet might have fundamentally changed in the last two decades, but
their demolition of the neoliberal orthodoxies of Silicon Valley remains
shocking and provocative.

Na, mag mancher denken, das war doch gestern, 1990er, und was hat das mit Überwachung zu tun – nun:

Es gibt immer wieder Hinweise darauf, dass das Thema alles andere als alt ist, es wird nur mittlerweile als mainstream aufgefasst, im Trend mit all dem anderen, was über die gute, die neue, die praktische Gesellschaft erzählt wird. Zukunftsvisionen sind sowieso in. Hier zwei Beispiele, warum eine Kritik auch heute wichtig ist. Bereits am 27.9.2015 konnte man in der taz unter dem Titel „Die Linke hat den Anschluss verpasst“ von Armen Avanessian (Titel: Beschleunigungsphilosoph (!)) lesen, dass wir dringend eine neue Vision brauchen, mit implantierten Chips zur Verbesserung der Menschen, der Gesellschaft usw.. Es war eine Art neofuturistisches Gebrabbel, welches sich eine neue Welt herbeiträumte, in der – wenn auch nicht so ausgesprochen – die Politik, insb. die Demokratie nicht mehr unbedingt sein müsste. Das es nach all der Fremdworthülsrei dann nur zu einem bedingungslosen Grundeinkommen als innovativster Idee reichte, war dann eher tragisch.

Gar nicht tragisch ist, was man von den Ideen Googles lesen kann, die nahtlos daran anschließen. Zuletzt in der FAS vom 1.11.2015, wo sich unter dem Titel “Reale Welt und digitale Welt. Google oder Die Abschaffung der Politik” durchaus kritisch mit den Ideen von technischer Steuerung von Gesellschaft beschäftigt wurde. Leider geht die Kritik nicht weit genug. Der durchaus als technofaschistoid daherkommende Duktus der Ideen von Google ist eine echte Kritik wert – eine die u.a. auch von der California Ideology angeregt wird und dort bereits vorkommt.

Tragisch ist, dass die Ideen von politikferner Effizienz, dem praktischen, guten Leben und der besseren Demokratie durch Unternehmen nicht nur Visionen sind, sondern der Quatsch bereits von den Technikjüngern und Benchmarking-Plauderern nachgebetet wird, als wäre es die einzige Alternative. Entpolitisierung durch Technik? Das war in den 1990ern nicht die Idee, die mit dem Netz verbunden war, die mittlerweile aber wohl in Auflösung begriffen ist.

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