Archive for November 2006

Film: Alltag Ãœberwachung

Auf dem Weblog Onlinejournalimus.de findet man den Flash-Trailer einer 45 minütigen Dokumentation der Videojournalisten Roman Mischel und Fiete Stegers zum Thema Alltag Überwachung. Zu Wort kommen darin u.a. Thilo Weichert, Rena Tangens, sowie Vertreter der Innenministerien von Bund und Ländern. Einen Sendeplatz für die Dokumentation suchen die beiden Journalisten noch, von hier aus sei ihnen viel Erfolg dafür gewünscht.

Datenmissbrauch mittels Kundenkarten

Bei Spiegel-online steht heute ein netter Artikel zum Thema Kundenkarten, über die inzwischen angeblich über 90% aller erwachsenen Verbraucher verfügen. Ausschlaggebend für den Besitz einer oder mehrerer solcher Karten sei vielfach die Überschätzung der Rabatte wohingegen mögliche Negativauswirkungen unterschätzt werden würden, obwohl sie regelmäßig auftreten:

“Bei den in Deutschland angebotenen Kundenkarten gebe es flächendeckende Verstöße gegen den Datenschutz, heißt es in einem Gutachten des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz (ULD) Schleswig-Holstein aus dem Jahr 2003. Auch die Ergebnisse dieser Studie besitzen unverändert Gültigkeit. Damals kritisierten die Datenschützer unter anderem, dass mit den Kundenkarten mehr Daten erhoben werden als notwendig. Auf diese Weise ließen sich detaillierte Kundenprofile erstellen, mit denen Kunden gezielt beworben werden können.”

Auch fehlende Transparenz wird angemahnt. Dabei wird vor allem auf die Risiken hingewiesen, die durch Weitergabe der Kundendaten und eine eventuelle Vernetzung – ein bislang nur wenig thematisierter Aspekt – dieser Daten bzw. ihrer Nutzer bestehen.

Maut und Terror

Damit es nicht einfach so untergeht: Heute wurde die Ausweitung der Mautdaten für die Terrorbekämpfung beschlossen – zusammen mit dem Elterngeld. Das hat nichts miteinander zu tun, außer das vielleicht keiner mehr so genau hinhört. Schwere Krimininalität und Terror, dazu sollen die Mautdaten herhalten dürfen – wenn was is! Wozu Wissenschaftler und Forschung, wenn Entscheidungen sowieso nicht darauf aufgebaut sind. Mit den Mautdaten geht die nächste Aufweichung des Datenschutzes einher – und auch hier gibt es nichts zurück.

Nachtrag: Bericht des Surveillance Studies Network

BBC berichtet prominent über den Bericht unserer Kollegen aus England mit weiteren Informationen zu England und Datenschutz (dort gibt es auch den ganzen Report als pdf-Dokument). Wenn bisher nicht klar war wozu ein Forschungsnetzwerk gut war – hier ist ein Beispiel (siehe auch Handelsblatt, 3.11.2006)

Die kleine Zusammenfassung aller Ãœberwachungsmöglichkeiten zeigt verdichtet sehr schön, was eigentlich so los ist… ob das alles immer auch gleich bedrohlich zu bewerten ist, ist etwas anderes – aber dazu erforschen wir die Sache ja….

4.2m CCTV cameras
300 CCTV appearances a day
Reg plate recognition cameras
Shop RFID tags
Mobile phone triangulation
Store loyalty cards
Credit card transactions
London Oyster cards
Satellites
Electoral roll
NHS patient records
Personal video recorders
Phone-tapping
Hidden cameras/bugs
Worker call monitoring
Worker clocking-in
Mobile phone cameras
Internet cookies
Keystroke programmes

Labour träumt sogar von einer Megadatenbank, die vom Blutdruck bis zum Führerschein alle Personendaten zusammenführen würde. (Handelsblatt)

Bericht zur Ãœberwachungsgesellschaft

Zur jährlichen internationalen Tagung der Datenschutzbeauftragten, die in heute und morgen in England stattfindet, wurde auch der dazu angefertigte Bericht des Surveillance Studies Network vorgestellt (das englische Pendent des Forschungsnetzwerkes).

Der 140-seitige Bericht wurde von der Expertengruppe im Auftrag des britischen Datenschutzbeauftragten erstellt. Thomas sagte, die Datensammlungen könnten zum Schutz gegen Terroranschläge und organisierte Kriminalität nützlich sein. “Aber unkontrollierte oder übertriebene Ãœberwachungsmaßnahmen fördern ein Klima des Verdachts und zerstören Vertrauen.” Der Studie zufolge werden sich die Ãœberwachungsmaßnahmen innerhalb der kommenden zehn Jahre nochmals deutlich ausweiten. tagesschau.de (2.11.2006)

Die Autoren des Berichtes sind Wissenschaftler aus Großbritannien, Kanada und Norwegen – und haben den Surveillance Studies damit einen großen Dienst erwiesen. Bis wir hierzulande soweit sind, dauert das wohl noch….Eine Verknüpfung des britisch- internationlen Surveillance Studies Network mit unserem deutschen Forschungsnetzwerk wird in naher Zukunft stattfinden – zumindes auf der kommunikativer Ebene… dazu mehr wenn es soweit ist.

Der Verkauf des öffentlichen Raums

Da ich erst jetzt dazu gekommen bin die ZEIT zu lesen, bin ich auch jetzt erst auf das exzellente Dossier von Rainer Frenkel und Hanno Rauterberg aufmerksam geworden. Unter dem Titel “Innenstädte zu verkaufen” bzw. “Bunte Langeweile” (pdf des Original-Artikels9 beschreiben sie wie die Firma ECE (gehört zum Otto-Konzern) mit ihren Einkaufs-Centern und Malls die Innenstädte lahm legt, die Politik aushöhlt und zunehmend den öffentlichen Raum kontrolliert. Leider sind die Artikel nicht online, so das ihr das in der Printversion lesen müsst. Ein paar links zu dem Thema finden sich bei “Unser Braunschweig”, deren Betreiber sich kriitisch mit der Braunschweiger Kommunalpolitik auseinandersetzen – u.a. auch mit dem von ECE gemanagten Umbau des dortigen Schlosses.

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Zum Stand der Ãœberwachungsforschung

Es muss nicht immer nur um Kameras gehen oder um den Datenschutz. Ãœberwachung ist mehr und das zeigt auch die Forschung dazu: Alkohol, shopping malls, Ãœberwachung an der Uni….
Das Journal Surveillance & Society ist gerade mit seiner neuesten Ausgabe erschienen.
Volume 4 (Issue 1/2): Open Issue + Special Section on Conflict. Eine Reihe sehr guter und interessanter Artikel – auch zu Kameras – aber vor allem zu anderen Aspekten des Beobachtens und Kontrollierens.

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